Kreispokal C/D – 1. Runde – SG Mehren II – SG Berndorf III (3:0)

Kreispokal C/D – 1. Runde – SG Mehren II – SG Berndorf III (3:0)

3:0 – Sommeranfang zum Saisonstart

Darscheid. Nach einem Monat intensiver Vorbereitung bescherte uns der „Bitburger Kreispokal“ nicht nur frisches, handgekühltes Stubbi nach dem Spiel, sondern auch ein Heimspiel zum Pokalauftakt! Der vermeintlich einfachste Weg ins internationale Geschäft, die Vorbereitung auf die Dauner Kirmes, das Schmankerl für den orts- und heimatverbundenen Zuschauer und für den emotionalen Fan die Chance auf Dramatik, Tore, Talente und Spannung wie beim Volkshochschulkurs „Kochen für Singles“ mit defekter Mikrowelle!

Gegner war die SG Berndorf III, jene Mannschaft, welche sich in der letzten Saison um den letzten Platz in der Klasse duellierte und uns zum Saisonendspurt ein verdientes 0:0 ab rang und sogar alles in allem beste Chancen hatte, diese Partie selbst zu gewinnen. Doch der Pokal schreibt eigene Gesetze! Statistisch betrachtet gingen wir als Favorit in die Partie, denn das Team hatte in der Vorbereitung teilweise berauschenden Fußball gespielt und den Jacobs Verwöhnmoment brühwarm neu definiert.

Nach zwei Testspielen und vier Punkten gegen die SpVgg. Struth, sowie vier Toren, verwöhnte das Team das Trainerteam und die anwesenden Dörfer mit feinem Kombinationsfußball, 7 Toren und DEM Comeback des Jahres, doch dazu später mehr! Dazu gesellten sich eine überdurchschnittliche Trainingsbeteiligung und intensive Einheiten, ein Gefühl was Coach Fandel verloren zu haben schien und was ihm die Spieler voller Dank und Vertrauen zurückgaben!

Personell musste Fandel zunächst umstellen! Leitwolf und Capitano Siggi Alberg fehlte aufgrund einer OP fast die komplette Vorbereitung, steht dem Team aber zum Glück bald wieder zur Verfügung. Der vereinseigene Edeltechniker Justin Kessler weilte im kurzfristigen Kurzurlaub. Dafür konnten wir in Elias einen hochtalentierten A-Jugend Torwart verpflichten! Der Verein unterstreicht damit wieder, dass der Weg aus vereinseigenen Talenten vorbildlich und richtig asphaltiert ist. Nicht wenige erinnern sich voller Tränen an den unglaublichen Werdegang eines Rene Schneider, Sven Bretz oder Philipp Schüller zurück, welche ihr Können nun als „Local Player“ de zweiten Mannschaft zur Verfügung stellen.

Verzichten muss Fandel jedoch auf Thomas Umbach, welcher zum Saisonende vorläufig sein Karriereende erklärt hat, möglicherweise hat er aber auch einfach nur die moderne Variante gewählt und gönnt sich ein Sabbat-Jahr. Nach gesundheitlichen Problemen in der Rückrunde verspürte auch Fandel wieder das Spielertrainer-Gen, jener „Geist von Spiez“, der ihn 1954 als 25-jährigen Azubi vor dem Radio flanieren ließ, dem WM-Finale frönend und selbst feststellte, dass er irgendwann mal ein Comeback für eine zweite Mannschaft nach Verletzung geben wollte. Gestärkt mit einem Glas fettarmen Wasser und neuen bunten Schuhen trat Fandel sein eigenes Erbe an und setzte sich zunächst aus taktischen Gründen auf die Bank.

Ansonsten konnte der Coach wieder auf seine nahezu gewohnte Formation vertrauen. Instinktiv raunte er seine beiden Abwehrrüden Flo „Mini“ Dietrich und Flo Papberg nach innen, flankiert vom lasziven Baggerliebhaber Rene und dem leidenschaftlichen Studenten Achim. Jene, die technisch anspruchsvoll 90 Minuten die Außenlinie pflegen, flanken und laufen!

Auf den 6ern begannen zwei etablierte, ehemalige Ulmener Neuzugänge: Yannick und Ralf. Eine Neuerung gab es auf außen – nach Jahren der Demut hatte Sven Bretz seinen Wert auf Außen bewiesen und Fandel ließ ihn zusammen mit Jaan Lorré gewähren. Vorne wurden der ehemalige „Bulle von Tölz“ Philipp Schüller, der Märchenprinz des modernen Amateurfußballs und ein gewisser Thomas Dimmig ins milchige Badewasser geworfen! Eine Geschichte, die nur der Fußball schreibt, annähernd vergleichbar mit dem tragischen Happy End eines Disney-Films. Der Gewinner der Vorbereitung, ein Ausdruck, welcher heute inflationär benutzt wird, welcher seinen Wert zu verloren haben schien, bis zur jenen Sommervorbereitung eines familiär geführten Vereins im Herzen der Vulkaneifel.

Thomas „The Choosen One“ Dimmig, jener Mensch, der 1998 die Pferdeposter aus der Wendy verdrängte und durch eine Autogrammkarte von sich ersetzen ließ, jener Mensch, der in der B-Jugend ein Interview mit der Bravo Sport ablehnte, weil ein Auswärtsspiel in Brockscheid rief, schien einen Reifenwechsel vollzogen haben. War er letzte Saison noch eine Randnotiz, der 0-Tore-Stürmer, das Talent, was immer noch in einer Sporttasche schlummerte, das 0,0 % Radler, was traurig in der Ecke stand, leer und unbemerkt, so scheint sich jetzt eines der größten Comebacks deutscher Sportgeschichte anzubahnen! Dribblings, Stellungsspiel, Tempoläufe und alleine vier Tore gegen Wallenborn unterstrichen seinen aktuellen Wert und jeder fragte sich: Konnte er dieses unfassbare Niveau halten? Er sollte es nicht nur können, er sollte es definieren! Gerüchteweise verhandelt die heimische SG derzeit mit Denzel Washington, als Thomas Dimmig, und Ralf Moeller, als Coach Fandel, um dessen Vorbereitung verfilmen zu lassen. Eine Rückkehr zu einem altehrwürdigen Tennenplatz, zwecks Finanzierung dieses ehrenamtlichen Projekts, scheint noch in der Schwebe!

30 Zuschauer suchten an jenem Samstagnachmittag eine Antwort auf diese Frage, welche das Team bereits individuell vorab beantwortet hatte! Das Team und Dimmig hatten begeistert und nun galt es den Schwung sowie den Trainingseifer mit ins erste Pflichtspiel zu nehmen.

Das Spiel begann wie erwartet. Aus der gewohnt soliden, defensiven Grundordnung bauten wir ein geordnetes Spiel auf und versuchten nun konsequent ein feines Kurzpassspiel aufzuziehen, angetrieben durch die agilen, filigranen Außenspieler. Berndorf selbst versuchte es über lange Bälle und zeitweiliges Pressing, während wir zu Beginn den ein oder anderen Torschuss verbuchten. Nach einem ersten Pfostenstrahl von Dimmig nach fünf Minuten nach überragender Einzelleistung, schob sich Ralf Wallebohr in Minute 12 an ein paar Gegenspielern vorbei zur Zapfsäule an den 16er und tankte den Ball an den Pfosten. Mit der Antizipation einer Antilope spritzte Dimmig in den freien Raum und verwertete den Abpraller – 1:0.

Schon jetzt glich die Stimmung einem Abend am Autoscooter: kurzweilig, intensiv und fröhlich.Die Mannschaft schien aus der letzten Saison gelernt zu haben und drückte nun weiter. Nach einem Ballgewinn in der eigenen Hälfte, trieb Flo Papberg den Ball über die Mittellinie, spielte einen trainingstypischen Doppelpass mit Yannick und schickte demütig einen „No-Look-Schnittstellenpass“ in die Spitze! Philipp Schüller hüpfte in die Gasse, nahm seinen Freund, den Ball leidenschaftlich an und verwertete die Kombination souverän ins Netz in Minute 18. – 2:0!

Die örtliche SG war nun voll am Drücker, Berndorf versuchte es weiter mit langem Bällen, doch zumeist war über dem Tor oder am eigenen 16er Schluss. Die einzig gefährliche Situation resultierte aus einer zu kurz abgewehrten Freistoßflanke, als der Nachschuss per Kopf knapp übers Tor gesetzt wurde. Bei warmen Temperaturen entwickelte sich ein teils flottes Spiel, mit ansehnlichen Kombinationen. Dies belegen mehrere Großchancen, eine Rettungstat mit der Hand auf der Linie, einem weiteren Alutreffer, sowie einem zurück gepfiffenen Treffer von Flo Papberg nach Handspiel. Das Spiel war völlig im Griff, nur die weiteren Tore fehlten und so ging es freudig in die Halbzeit. Alles in allem hatten sowohl Defensive und Offensive ihre Aufgaben vorbildlich erfüllt, wenngleich Fandel auch mahnte, das Tore schießen nicht zu vergessen!

Zu Beginn der zweiten Halbzeit ging dann etwas der Faden verloren. Berndorf verlegte sich weiter auf lange Bälle und versuchte über die Außen zum Erfolg zu kommen und wir brauchten zehn Minuten, bis wir uns wiedergefunden hatten. Fandel begann das Spiel zu lesen, nahm den angeschlagenen Antreiber Ralf Wallebohr vom Platz und frohlockte Mike Weinand ins Spiel.

Wir näherten uns wieder dem Tor, doch die Pässe im letzten Drittel wurden ungenauer. Allein Bretz streute einige Abstöße in der Nähe des gegnerischen Tors in die Waldgegend und auch Dimmig, Schüller und Weinand verpassten mit Abschlüssen die Vorentscheidung. Zudem kehrte Flo Papberg etwas Herbsturlaub und pflegte einen Ball ganz knapp am aluminierten Rechteck per Freistoß vorbei. Das Spiel plätscherte nun vor sich hin, das nächste Tor lag in der Luft, doch fehlte wie in Hälfte eins nun völlig die Konsequenz.

Fandel reagierte, wollte Impulse setzen, wie damals bei der Damenwahl in der Tanzschule, wenn der Rest noch an der Theke stand und betrat unter stillem Jubel in der 72.Minute den Platz. Berndorf vermochte selbst kaum noch Akzente zu setzen, gepaart mit einem Ergebnis, was den Spielverlauf nicht wirklich widerspiegelte. Doch der Fußball schreibt seine eigenen Geschichten. Nach 80 Minuten nahm Fandel einen letzten Wechsel vor. Der Mann der Stunde, der Mitarbeiter des Monats, Thomas Dimmig, räumte seinen offensiven Backfischstand und schuf Platz für Jan Thome. Ein Mann wie ein guter Allwetterreifen: ein paar Mal gegen den Bordstein gestoßen, vier Winter bei Regen und Schnee gefahren, aber immer noch gut für ein sauberes Bremsverhalten bei 180 auf der Autobahn am Stauende. Thome bemerkte diesen Vertrauensvorschuss! Nach einer feinen Einzelleistung von Weinand tanzte dieser in den 16er und legte kurz vor dem Torhüter quer. Aufmerksam, wie ein Schild beim Wildwechsel, suchte Thome den freien Raum und rieb den Ball per Innenriss ins verwaiste Netz in der 82. Minute- 3:0!

Nur zwei Minuten nach seiner Einwechslung entschied sich Thome für den Eintrag in die Geschichtsbücher und besorgte spät, aber hochverdient die Vorentscheidung. Nun war das Spiel endgültig gelaufen, der Rasen gemäht und wir brachten das Spiel souverän zu Ende. Verhaltener Applaus und exzessiv leise Freude begleitete das Team würdevoll vom Platz! Ein Lob geht dabei an den Schiedsrichter, der das Spiel nahezu fehlerfrei leitete, eine vorbildliche Vorteilsauslegung hatte und dem Spiel seine nötige Ruhe verlieh. Eine gelbe Karte für die gegnerische Mannschaft scheinen einen Allzeit-Rekord für die Zweitvertretung zu bedeuten.

Fazit: Ein völlig verdienter 3:0 Sieg, der phasenweise an die sehr guten Vorbereitungsspiele erinnerte. Defensiv ließ man nur eine echte Chance zu und überzeugte auch diesmal mit einem ruhigen Spielaufbau, sowie guten Stellungsspiels. Zudem überzeugten beide 6er völlig und vermochten es, taktisch gut zu verschieben um im Stile der Bender-Zwillinge die Zentrale zu schließen. Auch wenn nicht immer alles von Erfolg gekrönt war, so machten alleine beide Außenverteidiger extrem viel Betrieb auf den Außen! Offensiv war es Schüller und Dimmig vorbehalten den Thekendienst alleine zu regeln und stellten beide eindrucksvoll unter Beweis, dass beide im Moment bei 110 % spielen und immer noch Luft nach oben haben. „Hanni und Nanni“ wirbelten teilweise durch die generische Defensive wie beim Abschlussball am Internat und belohnten sich fast logischerweise mit einem Tor. Wenn man dazu noch bedenkt, dass mit Justin Kessler und Kapitän Siggi Alberg noch zwei weitere Stammspieler und Leistungsträger fehlten, so hat die Mannschaft phasenweise beeindruckt und gewinnt mit beiden nochmals an Qualität und Flexibilität hinzu.

Einziges Manko bleibt heute, wie auch so oft in der letzten Saison, die Konsequenz im Abschluss, sowie die Chancenverwertung. Einen Sieg, den wir deutlich höher hätten gestalten müssen, obgleich wir es diesmal schafften, eine hohe spielerische Qualität auf den Platz zu bringen. Alles in allem sollte dies jedoch nicht der Maßstab sein, ohne den Gegner abwerten zu wollen. Denn letztlich ging auch dieser personell verändert ins Spiel und wird in der Saison ein anderes Gesicht zeigen! Es geht nun darum, eine Konstanz in unser Spiel zu bringen und die Torquote weiter zu erhöhen. Bislang scheint Fandel, insbesondere bei seinen letztjährigen Sorgenkindern, die richtigen Schrauben gefliest und das Fundament gestrichen zu haben.

Sollte die Trainingsintensität und -beteiligung weiter so bleiben, steht einem erfolgreichen Ligastart nichts im Wege. Ein Team, das an Borussia Dortmund erinnert, und spielerisch und menschlich das derzeitig vermutlich spannendste Traditionsprojekt der Vulkaneifel darstellt.

Nach der erfolgreichen ersten Runde gastiert nun der C-Klasse Aufsteiger der SG Lambertsberg II in Darscheid. Jene haben sich scheinbar dramatisch bei der SG Kyllburg durchgesetzt und das Spiel mit 3 Toren in den letzten 10 Minuten noch gewendet! Anstoß ist Samstag um 17.30 Uhr in Darscheid. Nach Jahren der Abstinenz und Betroffenheit ergibt sich jetzt nochmal die Chance ins Achtelfinale einzuziehen, auch wenn sich der Gegner nicht einschätzen lässt!

Alles in allem freut sich die Zweitvertretung aber auf viele Zuschauern aus Nah und Fern, um die Dauner Kirmes bei Getränken und Fußball angemessen ausklingen zu lassen und sich von der einheimischen Talentschau standesgemäß, hoffentlich erfolgreich, verwöhnen zu lassen! (Florian Papberg)

By | 2017-09-01T16:14:40+00:00 August 9th, 2016|Archiv|0 Comments

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